Route 1  ⁄  Spur 4

Hotel Europa
1. Bezirk, Neuer Markt / Kärntner Straße 


Hotel Europa

Hotel Europa

Der Haupteingang des „Hotels Europa“ befindet sich heute am Neuen Markt.

Das Hotel wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, in der Donaumonarchie galt es als „Hotel der vornehmlichen Bürgerlichkeit und Gutsbesitzer“. Durch schwere Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört, begann man in den 50er-Jahren mit dem Wiederaufbau. Heute präsentiert es sich frisch renoviert und gehört zu einer Hotelkette.

Mit dem ursprünglichen Bau im Jahr 1896 lag man voll im Trend, denn in fast allen Hauptstädten waren repräsentative Hotelbauten mit dem Namen „Europa“ zu finden. Auch in der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 50er- und 60er-Jahren, entstanden sowohl öffentliche als auch private Bauwerke, die als Zeichen eines erstarkenden Europabewusstseins mit dem Zusatz „Europa“ versehen wurden. Denke nur an die Europabrücke als Teil der Tiroler Brennerautobahn oder an den Europaplatz in Wien vor dem Westbahnhof. Ganz in der Nähe, nämlich am Graben, findest du auch das Café de l’Europe.

Hotel Europa

Hotel Europa

Neue Bauten wurden also gerne mit dem Zusatz „Europa“ versehen. Die Regierungen der einzelnen Staaten nutzten gerne die Prachtbauten vergangener Jahrhunderte und nutzen sie noch immer – nicht nur zu repräsentativen Zwecken, sondern den Gebäuden wurde durchaus neues Leben durch neue Funktionen eingehaucht. Inhaberinnen und Inhaber republikanischer Ämter haben ihre Büros in ehemaligen Adelspalais bezogen. Das Bundeskanzleramt zum Beispiel ist im Gebäude der Anfang des 18. Jahrhunderts gegründeten „Staatskanzlei“ untergebracht. Die Republik Österreich kann vor allem in der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt Wien historisch und architektonisch wertvolle Schlösser und Palais mit neuem Leben erfüllen.

Und neue politische Inhalte – wie eben die Idee eines auf vielen Ebenen verbundenen Europas – sollten sich nicht in alten, historischen Gebäuden manifestieren, sondern möglichst in Neubauten. Nicht immer war das den privaten Namensgebern in dieser Form bewusst, doch folgten sie einer Art Modeerscheinung, indem sie zum Beispiel auch ihr neugebautes Hotel „Europa“ nannten.

Der Wiener Peter Kaffer war nach dem Zweiten Weltkrieg ungefähr so alt wie du heute und er kann sich noch gut an die Aufbauzeit erinnern.

Ja ich möchte beginnen, über Europa zu sprechen mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges – also nicht erst Beendigung des Zweiten Weltkrieges, denn die Sichtweise war ganz anders. Denn man hat also damals faktisch nur die Kriegsziele, die europäischen, betrachtet und nichts anderes. Also man hat von Reisen usw. – überhaupt wie schön vielleicht Paris wäre oder wie schön dieses wäre – überhaupt keine Idee gehabt. Praktisch jede Familie hat eine Europakarte zu Hause gehabt, in der der Vormarsch der deutschen Truppen, die Eroberung der europäischen Länder mit bunten Stecknadeln markiert wurde und das hat sich natürlich dann geändert, diese Begeisterung, als der Rückmarsch begonnen wurde und die Stecknadeln faktisch wieder im Retourgang zurück waren.

Europa war für uns damals während der Kriegszeit eigentlich Kriegsgebiet, Eroberung und Rückeroberung. Das hat sich dann schlagartig geändert mit Ende des Zweiten Weltkrieges und ich würde sagen, nach meiner Sicht, in den ersten Jahre, also 45 bis vielleicht 47, 48, hat man sich kaum von der österreichischen Seite aus mit einer Europaidee beschäftigt. Man war beschäftigt mit dem eigenen Land, mit der Besatzungszeit, mit Hunger, mit Wiederaufbau. überhaupt nachdem österreich wiedererstanden ist, war zunächst einmal österreich das Wichtige und nicht Europa.

Dann, vielleicht 48, 49, ist die Europaidee auch wieder stärker zum Zug gekommen. Ich persönlich hab also meine erste Auslandsreise überhaupt, meine erste Auslandsreise in meinem Leben, im Jahr 48 gemacht; sehr kompliziert damals noch mit Visa und mit allen möglichen Schwierigkeiten bis man also eine Fahrradtour, die ich gemacht habe nach Italien mit Freunden, überhaupt machen konnte.

Später, ich würde sagen vielleicht in den 50er-Jahren, als man über die Grenzen weiter hinweggeschaut hat und Reisemöglichkeiten auch schon bestanden haben, dann ist der Europagedanke – oder sagen wir die Sicht auf Europa – allgemein weiter geworden für die Bevölkerung. Bis dann eben nach Beendigung der Besatzungszeit 55, als man überhaupt wieder reisen konnte, Europa wieder mehr ins Blickfeld der Bevölkerung getreten ist.


Wende dich wieder um und gehe die Tegetthoffstraße ein Stück bis zum Albertinaplatz zurück.


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